Die Diskussion rund um gesundheitsschädliche PFAS gewinnt weltweit an Bedeutung – auch in der Textilindustrie. Umso wichtiger werden innovative Alternativen. Mit dem ausgezeichneten Projekt «EC0Tex» zeigt eine Schweizer Projektgruppe nun, dass leistungsfähige, wasserabweisende Textilien auch ganz ohne PFAS möglich sind. Mit dabei: die Seilfabrik Ullmann AG.
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, sind in aller Munde. Sie sind in vielen Branchen im Einsatz, beispielsweise in der Landwirtschaft, in der Industrie, oder in der Medizin. Auch in der Textilbranche werden sie angewendet, denn sie verleihen Funktions- und Outdoor-Textilien wasser-, öl- und schmutzabweisende Eigenschaften. Doch die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ stehen wegen ihrer Umwelt- und Gesundheitsrisiken weltweit unter regulatorischem Druck – von EU-weiten Beschränkungen bis hin zu nationalen Verboten.
Dass die Textilbranche intensiv an PFAS-freien Ausrüstungsalternativen arbeitet, zeigt das Projekt «EC0Tex»: Mit einem neuen Verfahren lassen sich sowohl unelastische als auch hochelastische Garne dauerhaft wasserabweisend und schnelltrocknend veredeln. Und dies gänzlich ohne den Einsatz von PFAS und Frischwasser. Dafür erhält das Projekt an der renommierten Textilfachmesse Techtextil einen Innovation Award in der Kategorie „New Concept“. Im Projekt involviert sind die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA, der Schweizer Garnhersteller Bäumlin & Ernst, der Seilhersteller Seilfabrik Ullmann AG und das Schweizer Textilunternehmen Lothos.
Das Projekt: Mit Plasma weg von PFAS
Basis des patentierten EC0Tex-Verfahrens ist eine Plasmaanlage: Sie nutzt Trockenplasma – ein reaktives Gas, das physikalisch einem Polarlicht ähnelt –, um jedes Einzelfilament eines Garns mit einer hauchdünnen Organosilicium-Schicht zu umhüllen. Diese macht die Garne wasserabweisend und schnelltrocknend, genau wie PFAS-beschichtete Textilien. Der grosse Vorteil: Die Beschichtung zerfällt am Ende ihres Lebenszyklus zu Siliziumdioxid, also Sand, und hinterlässt somit keine umweltschädlichen Rückstände. Mit der Plasmabeschichtung können gemäss ersten Ergebnissen die Ewigkeitschemikalien vollumfänglich ersetzt werden. «EC0Tex zeigt, dass eine nanometerdünne Plasmaschicht genügt, um Leistungseigenschaften zu erreichen, die bisher PFAS vorbehalten waren», sagt Bernd Schäfer, CEO von Bäumlin & Ernst.
Auch die Seilfabrik Ullmann AG ist Teil dieser Projektgruppe und war an der Entwicklung des Garns beteiligt. Sie prüft nun ebenfalls plasmabeschichtete Produkte als Ergänzung für das Produktportfolio. «Der potenzielle Einsatzbereich ist im Outdoorbereich sehr gross.», so Patrick Ullmann, Geschäftsführer der Seilfabrik Ullmann AG.
Das Projekt in den Medien
